Tim Berners-Lee | Links und Gesetz | Mythen
Axiome der Web-Architektur: 4
Deutsche Übersetzung von Axioms
of Web Architecture :4 by Tim Berners-Lee. von Uschi
Hering, 5. Juli 1998
(Bitte lesen Sie zuvor Links und Gesetz)
Der Mythos: "Ein normaler
Link ist eine Aufforderung, das gelinkte Dokument zu kopieren und dabei das
Copyright zu verletzen."
Das ist ein ernsthaftes Mißverständnis. Die Möglichkeit, sich auf ein
Dokument zu beziehen (oder auf eine Person oder sonst etwas) ist generell ein
fundamentales Recht der freien Rede gleichermaßen wie die Rede frei ist. Die
Erwähnung durch einen Hypertext Link ist effizienter - ändert aber nichts.
Wenn die "Rede" selbst illegal ist, ob sie nun Hypertext Links enthält
oder nicht, wird die Illegalität nicht geändert durch die Tatsache, daß sie
in elektronischer Form geschieht.
Nutzer und Information Provider und Juristen haben diese Sitte zu teilen. Wenn
sie das nicht tun, bekommen die Menschen Angst, Links zu setzen aus Furcht vor
gesetzlichen Auswirkungen. Ich habe eine Mail Nachricht erhalten, in der mich
jemand um "Erlaubnis" fragte, zu unserer Site zu linken. Ich habe
abgelehnt und darauf bestanden, daß man dazu keine Erlaubnis braucht.
Es gibt keinen Grund zu fragen, bevor man einen Link auf eine andere Site setzt.
Aber gleichermaßen:
Jeder ist selbst verantwortlich für das, was er über andere Menschen und ihre Sites etc. sagt - im Web wie überall.
Der Mythos: "Einen Link
auf ein Dokument zu setzen macht das eigene Dokument wertvoller und deshalb gibt
es ein Recht, dafür zu bezahlen".
Das ist auch gefährlich. Tatsächlich ist es wahr, daß dein Dokument
wertvoller wird durch Links auf qualitativ hochwertige andere Dokumente, die
Relevanz besitzen. Ein Rückblick in einem Konsumentenmagazin addiert Wert hinzu
wegen der Produktqualität, auf die es den Leser hinweist. Ich wäre als Person
wertvoller für dich, wenn ich mich gegenüber anderen Leuten mit Namen,
Telefonnummer oder URL auf Dich beziehen würde. Das bedeutet aber nicht, daß
ich diesen Leuten etwas schulde.
Wir können von niemandem fordern, daß er das "Recht hat, daß man sich auf ihn beziehen muß" ohne komplett den Teppich unter der Freien Rede wegzuziehen.
Der Mythos: "Einen Link
auf jemandes öffentlich lesbares Dokument zu setzen ist eine Verletzung der
Privatsphäre."
Die "Sicherheit durch Unklarheit"-Methode, Dinge hinter geheimen URLs
zu verbergen, hat die Eigenschaft, daß jeder, der die URL kennt (wie ein Paßwort),
darauf kommen kann. Es ist nur der Vertrauensbruch einer Vertrauensvereinbarung,
die einmal geschlossen wurde.
Es gibt einige fundamentale
Grundregeln über Links, auf denen das Web basiert. Es handelt sich dabei um
Grundregeln, die es der Welt des verbreiteten Hypertextes erlauben zu
funktionieren. Juristen, Nutzer und Technology und Content Providers müssen
darin übereinstimmen, diese Grundregeln zu respektieren, die hier umrissen
worden sind.
Zur Erinnerung: dies ist eine persönliche Ansicht und steht nicht in Beziehung
zur Politik des W3C oder MIT. Ich behalte mir das Recht vor, diese Meinung
umzuformulieren falls Mißverständnisse auftauchen, da es immer schwierig ist,
diese Art von Sachverhalt einem gemischten und variierenden Publikum
darzustellen.
TBL
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